Die Robert Bosch Stiftung

Bericht 2016

Liebe Leserin, liebe Leser,

"Die Welt ist in Unordnung geraten wie lange nicht mehr." Diesen Satz formulierte der ehemalige Bundesaußenminister und heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Oktober 2016. Krisen und Konflikte stürmen mit einer Intensität und Dichte auf uns ein, die niemand erwarten konnte.

Was bedeuten diese Rahmenbedingungen für die Arbeit der Robert Bosch Stiftung? Wie können wir mit unseren Mitteln und unserer Expertise auf die Krisen und Konflikte reagieren und unseren Beitrag für eine nachhaltige und friedliche Entwicklung der Gesellschaft leisten – in Deutschland und international? Wie steigern wir unsere Wirksamkeit?

Diese Fragen waren der Ausgangspunkt für einen strategischen Weiterentwicklungsprozess, den wir schon im Jahr 2015 begonnen hatten und dessen Ergebnisse seit dem Jahr 2016 unsere Arbeit leiten. Ein Kernergebnis dieses Prozesses ist die Definition von drei inhaltlichen Schwerpunkten:

  • Migration, Integration und Teilhabe
  • Gesellschaftlicher Zusammenhalt
  • Zukunftsfähige Lebensräume

Mit den Schwerpunkten fokussiert die Stiftung ihr Wirken in den kommenden Jahren auf drei große gesellschaftliche Herausforderungen. Die Schwerpunkte ergänzen unsere traditionellen Fördergebiete – Gesundheit, Wissenschaft, Gesellschaft, Bildung und Völkerverständigung – und geben Orientierung bei der Entwicklung neuer Projekte.

Ausführliche Berichte über unsere Aktivitäten in den Schwerpunkten und Fördergebieten finden Sie untenstehend.

Aktuelle Informationen über unsere Strategie zu den verschiedenen Themen, die einzelnen Projekte und die Entwicklungen bei unseren Tochter-Institutionen sind auf unserer Internetseite bzw. den Internetseiten der Institutionen verfügbar.

Wir danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den vielen Partnern der Stiftung, die unsere Arbeit auch im Jahr 2016 mit großem Engagement unterstützt haben.

Uta-Micaela Dürig                   Dr. Joachim Rogall

 

Schwerpunkte
Migration, Integration und Teilhabe
Der Schwerpunkt Migration, Integration und Teilhabe knüpft unmittelbar an Integrationsprojekte und -programme an, die die Stiftung bereits seit vielen Jahren durchführt. Schon Anfang 2015, als der Anstieg der Flüchtlingszahlen noch gar nicht absehbar war, hatte die Stiftung darüber hinaus die Robert Bosch Expertenkommission zur Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik ins Leben gerufen. Unter Vorsitz des ehemaligen nordrhein-westfälischen Integrationsministers Armin Laschet entwickelten zehn hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft konkrete Reformvorschläge zur deutschen Flüchtlingspolitik. Sie kamen zur richtigen Zeit. Einige Empfehlungen der Kommission, vorab veröffentlicht in Themendossiers, fanden 2016 Eingang in die Formulierung des Integrationsgesetzes. Der Abschlussbericht mit 99 konkreten Handlungsempfehlungen, der Anfang April 2016 im Rahmen der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt wurde, erzielte große öffentliche Aufmerksamkeit und beeinflusst die Fachdiskussion bis heute.

Empfehlungen der Expertenkommission fanden Eingang ins Integrationsgesetz
Der Bericht war auch eine der Diskussionsgrundlagen bei dem ganztägigen Forum unter dem Titel "Flüchtlinge in Deutschland: Integration ermöglichen – Zusammenhalt stärken", das die Robert Bosch Stiftung und der damalige Bundespräsident Joachim Gauck ebenfalls im April 2016 gemeinsam im Schloss Bellevue veranstaltet haben. Rund 200 Praktiker und Entscheidungsträger diskutierten auf dem Forum über die Herausforderungen bei der Integration von Flüchtlingen und Bedingungen für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. "Integration ist ein Prozess, an dem sich viele und möglichst alle beteiligen sollten. Was wir brauchen, sind Initiativen und Impulse von unten, das Engagement aus der Bürgergesellschaft heraus", sagte Gauck in seiner Ansprache zur Eröffnung der Veranstaltung.

Parallel zu der Arbeit mit der Expertenkommission hat die Robert Bosch Stiftung ihre Förderung der Teilhabe von Flüchtlingen fortgesetzt und dabei insbesondere die Praxisförderung ausgebaut. Nach Krisenmanagement und der Erstversorgung waren mittelfristige Strategien gefragt und deren konkrete Umsetzung in den Kommunen. Im Mittelpunkt standen und stehen dabei die Verstetigung und Qualitätssteigerung des ehrenamtlichen Engagements für und von Flüchtlingen und Begegnungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen. So fördern wir zum Beispiel die Öffnung von kommunalen Einrichtungen und Angeboten für neue Zielgruppen und somit Möglichkeiten zur Teilhabe für alle Menschen, die in Deutschland leben. Zielgruppen unserer Arbeit sind Verwaltungs-, Bildungs-, Gesundheits- und Kultureinrichtungen, zivilgesellschaftliche Organisationen sowie ehrenamtlich Engagierte und Flüchtlinge.

Geschäftsstelle "Chancen – gleich!" in Freiburg eingerichtet
Auch mit unserer Kompetenz im Bereich frühkindliche Bildung leisten wir einen Beitrag zur besseren Integration. In dem Qualifizierungsprogramm "Chancen – gleich!" lernen pädagogische Fachkräfte, Vielfalt als Ressource in frühkindlichen Bildungsprozessen zu erkennen. Die Robert Bosch Stiftung hat das Programm gemeinsam mit dem Zentrum für Kinder- und Jugendforschung (ZfKJ) an der Evangelischen Hochschule Freiburg initiiert. Das Ziel ist mehr Chancengerechtigkeit für Kinder mit Migrationshintergrund. Diese Kinder sind nach wie vor besonders von eingeschränkten Bildungschancen, Entwicklungsrisiken und Armut betroffen. Das Programm unterstützt die pädagogischen Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen dabei, die Ressourcen und Stärken, die Kinder und Familien aus ihren Kulturen, Sprachen und Lebenswelten mitbringen, für Bildungsprozesse zu nutzen. In einer Pilotphase nahmen über einen Zeitraum von zwei Jahren 28 Kitas an Teamfortbildungen und Praxisberatungen teil. Im Mai 2016 erfolgte nun der nächste Schritt. Am ZfKJ in Freiburg eröffnete die Geschäftsstelle "Chancen – gleich!". Ihr Ziel ist es, ein bundesweites Netzwerk von Multiplikatoren aufzubauen, die die Inhalte und Methoden von "Chancen – gleich!" an Kitas weitergeben. Die Geschäftsstelle berät und qualifiziert darüber hinaus Einzelpersonen und Institutionen und arbeitet an der Entwicklung eines Internetangebots, um die Materialien bereitzustellen.

Das Thema Migration und Integration beschäftigte uns auch in der internationalen Arbeit. Seit dem Frühjahr 2016 fördert die Stiftung gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) den "Welcoming Communities Transatlantic Exchange", der deutschen und amerikanischen Fachkräften aus dem Bereich Migration eine Plattform für den Austausch von guter Praxis bietet. Darüber hinaus soll sich ein nachhaltiges transatlantisches Netzwerk der Willkommenskultur zwischen allen teilnehmenden Kommunen bilden. Das Programm wird federführend von Cultural Vistas, der Heinrich-Böll-Stiftung Nordamerika und Welcoming America durchgeführt. Zur Teilnahme wurden gezielt Kommunen ausgewählt, die entweder eine Vorreiterrolle im Bereich Integration einnehmen oder noch wenig Erfahrung mit Zuwanderung haben. Nach zwei Studienreisen im April und September 2016 trafen sich die Teilnehmer aus neun Kommunen zum Abschluss zu einem Workshop-Symposium in Berlin, um die neu erworbenen Eindrücke und Impulse zu teilen und in konkrete Konzepte umzuwandeln.

Richard von Weizsäcker Fellows erleben die Realität deutscher Integrationspolitik
Multilateraler und internationaler Austausch zu Fragen der Migrations- und Sicherheitspolitik sowie zu Integration und Teilhabe von Geflüchteten in Gesellschaft und Arbeitsmarkt war auch das Ziel der ersten Studienreise der Robert Bosch Academy im September 2016. Unter dem Titel "Germany and the Refugee Story" reisten 25 ehemalige, aktuelle und künftige Richard von Weizsäcker Fellows sechs Tage lang durch Deutschland. In Berlin, Bautzen, Dresden, Köln und Stuttgart verschafften sich die Fellows einen eigenen Eindruck von der Realität der Integrationspolitik. Zudem trafen sie Vertreter aus Politik, Medien, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um aktuelle Herausforderungen im Umgang mit Migration zu diskutieren. Ein Austausch, der beide Seiten bereichert hat, denn die Fellows brachten durch ihre große Expertise, ihre vielfältigen Perspektiven und Fragen immer wieder neue Gedanken in die Diskussionen ein.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt
Was hält uns zusammen? Und wie können wir die verbindenden Kräfte in der Gesellschaft stärken? Das sind die zentralen Fragen, die uns in diesem Schwerpunkt beschäftigen. In einer Welt, die immer vielfältiger wird und in der alte Strukturen wie Familien und Vereine ihre Bindungskraft verlieren, gibt es zahlreiche mögliche Bruchstellen: zwischen Jung und Alt, Privilegiert und Benachteiligt, Stadt und Land, zwischen Religiös und nicht Religiös, Christlich und Muslimisch. Je mehr Menschen sich engagieren und Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen, desto fester wird der "soziale Kitt", der unsere Gesellschaft zusammenhält. Aus diesem Grund unterstützt die Robert Bosch Stiftung vielfältige Initiativen der Zivilgesellschaft, beispielsweise die Initiative "Offene Gesellschaft", die sich 2016 gebildet hat. Es geht dabei um ein klares Signal für die konstruktive Gestaltung gesellschaftlicher Vielfalt, für Zusammenhalt und gegen Ausgrenzung von Minderheiten. Um auch kleinere Initiativen, Gruppen und Vereine zu ermutigen, sich mit eigenen Aktivitäten zu beteiligen, können diese bei uns eine Förderung beantragen. Übernommen werden Sachkosten für Projekte, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken oder für Toleranz, Vielfalt und Demokratie eintreten.

Eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist die zunehmende Verbreitung menschenfeindlicher und rechtsextremer Ansichten in Deutschland – auch schon bei Schülern und Auszubildenden. Das Projekt "Starke Lehrer – starke Schüler" in Kooperation mit dem sächsischen Kultusministerium und der TU Dresden ermöglicht Lehrkräften von Berufsschulen die Teilnahme an einem dreijährigen Qualifizierungs- und Coaching-Prozess. Sie erhalten grundlegende Informationen über rechtsextreme Jugendkultur und das notwendige Rüstzeug, damit sie richtig reagieren können, wenn sie selbst mit rechtsradikalem Gedankengut bei ihren Schülern konfrontiert sind.

Jeder Schüler soll die Möglichkeit für einen internationalen Austausch erhalten
Noch breiter und grundlegender ist der Ansatz bei unserer Förderung von internationalem Schüler- und Jugendaustausch. Gerade vor dem Hintergrund von Flüchtlingskrise, Auseinanderdriften der EU und zunehmendem Rechtspopulismus haben wir uns zum Ziel gesetzt, die gesellschaftlichen Potenziale von internationalem Schüler- und Jugendaustausch zu stärken und sichtbarer zu machen. Die Begegnungen, die im Rahmen der Austauschprogramme entstehen, fördern Offenheit, Toleranz und die Bereitschaft zu gesellschaftlichem Engagement. Das Projekt "Austausch macht Schule" hat sich zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass jeder Schüler die Möglichkeit erhält, an einem Austausch teilzunehmen. Das Projekt, das als lose Gemeinschaft von gleichgesinnten Akteuren begonnen hatte, wurde 2016 mit der Unterstützung durch die Robert Bosch Stiftung zu einer schlagkräftigen Institution mit eigenem Transferbüro.

Besondere Aufmerksamkeit brauchen Kinder und Jugendliche, die in sozialen Brennpunkten aufwachsen. Gerade sie brauchen gute Schulen, die mit wirksamen Konzepten zu bestmöglichen Lernerfolgen führen, Halt und Orientierung geben und so einen entscheidenden Beitrag zur Chancengleichheit in Deutschland leisten. Die Robert Bosch Stiftung entwickelt dafür gemeinsam mit den Akteuren vor Ort praxisnahe und wirksame Handlungsstrategien. Seit 2013 haben wir gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie das Projekt "School Turnaround – Berliner Schulen starten durch" ins Leben gerufen. Zehn Schulen erhalten über vier Jahre passgenaue Unterstützung, damit sie ihrem Bildungsauftrag besser gerecht werden können. Wir vernetzen darüber hinaus Akteure in Deutschland, insbesondere Vertreter von Schulverwaltungen, Schulaufsichten und Modellprojekten, um die Weitergabe von Wissen und den Aufbau notwendiger Kompetenzen zur wirksamen Unterstützung von Schulen in kritischer Lage zu ermöglichen. Ziel ist, Schulen frühzeitig passende Hilfestellungen für ihre Entwicklung anzubieten. In dem Netzwerk, das 2016 an den Start ging, erhalten die Akteure Einblicke in die Lösungsansätze anderer Bundesländer und können voneinander lernen.

Zukunftsfähige Lebensräume
In diesem Schwerpunkt geht es uns um einen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt und auf dem Land. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass dieser Anteil bis 2050 auf zwei Drittel steigen wird. Um als Lebensraum zu funktionieren, müssen Städte künftig mehr bieten als Arbeit, Wohnraum und Infrastruktur. Sie müssen auf engem Raum Lebensbedingungen für Einwohner aus verschiedenen sozialen Schichten, Kulturen und Religionen ermöglichen. Zugleich stehen ländliche Räume angesichts der Abwanderung in Städte und einer zunehmend älteren Bevölkerung vor schwierigen Aufgaben: Angebotsvielfalt und Lebensqualität gehen zurück, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sind oft schwer erreichbar.

In unseren Projekten konzentrieren wir uns auf zwei Aspekte: Natur- und sozialwissenschaftliche Forschung speziell zum Thema Nachhaltigkeit und eine aktive Bürgergesellschaft, die das Zusammenleben vor Ort selbstverantwortlich gestaltet.

Mit dem Programm "Neulandgewinner" fördert die Robert Bosch Stiftung Bürger aus den schrumpfenden Regionen Ostdeutschlands, die sich mit kreativen Ideen und Eigeninitiative für die Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität ihrer jeweiligen Region stark machen. Das Programm ist so erfolgreich, dass wir in der dritten Ausschreibungsrunde im Jahr 2016 achtzehn neue Teilnehmer aufnehmen konnten. Hinzu kommen erstmals vier "Neulandgewinner der Länder" – in Kooperation und mit finanzieller Unterstützung der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Zu einem funktionierenden Lebensraum gehört selbstverständlich auch eine leistungsfähige, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung. 2016 hat die Robert Bosch Stiftung im Programm PORT acht Initiativen ausgewählt, die Konzepte für regionale Gesundheitszentren zur Primär– und Langzeitversorgung entwickelt haben.

Die fünf Erfolgversprechendsten werden in den kommenden Jahren umgesetzt. Abgestimmt auf den Bedarf vor Ort werden dort multiprofessionelle Teams eine patientenorientierte Versorgung anbieten. Erfolgreiche Beispiele konnten die Vertreter der Initiativen auf einer gemeinsamen Studienreise nach Kanada kennen lernen.

Neue Ideen für die Gestaltung des Lebensraums "Stadt"
Um neue Ideen für die Gestaltung des "Lebensraums Stadt" geht es in dem Förderprogramm "Spielraum". 2016 konnten sich erstmals deutsche Wissenschaftler ganz unterschiedlicher Fachrichtungen bewerben, um gemeinsam neue Ideen für das Zusammenleben in der Stadt der Zukunft zu entwickeln. Auftakt des Programms war ein 24-Stunden Workshop in Berlin. 13 Teams erhielten im Anschluss jeweils 20.000 Euro, um ihre Projektidee auszuarbeiten. Die Umsetzung der vielversprechendsten Forschungsprojekte wird von der Robert Bosch Stiftung ab 2017 mit über einer Million Euro gefördert.

Auch auf internationalem Niveau widmen sich zwei Programme der Robert Bosch Stiftung dem Thema Stadt. Das Projekt "Baladiya – neue Wege in der Stadtentwicklung" richtet sich an algerische, marokkanische und tunesische Fachkräfte auf dem Gebiet der Stadtentwicklung. Untereinander und mit deutschen Fachkollegen tauschen sie Erfahrungen und Kenntnisse zu konzeptionellen, administrativen und wissenschaftlichen Fragen aus. Im September 2016 fand das gemeinsame Seminar in Algier statt – ein erster, sichtbarer Schritt zur Öffnung des Programms für Algerien.

Das Projekt "Stadtmacher" ist ein deutsch-chinesisches Vorhaben. Ziel dieses Projekts ist es, Fachleute, die sich für die nachhaltige Gestaltung ihrer Städte engagieren, miteinander zu vernetzen, Gute-Praxis-Modelle auszutauschen und gemeinsam neue Projekte aufzusetzen. Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der technische Aspekte der Stadtentwicklung mit sozialer Innovation, Kultur und anderen Faktoren, die eine Stadt lebenswert machen, verbindet. An dem Stadtmacher-Treffen 2016 nahmen rund 100 Experten aus 14 chinesischen und zwölf deutschen Städten teil.

Global betrachtet sind die Herausforderungen für die Bewahrung und Gestaltung der Lebensräume wahrscheinlich nirgendwo so groß wie in Afrika. Naturkatastrophen, Armut und Kriege prägen das Leben von vielen Afrikanern und das Bild des Kontinents in der Welt. Doch abseits der Katastrophen haben sich viele afrikanische Staaten beachtlich entwickelt. Die Robert Bosch Stiftung hat deshalb 2016 eine Strategie für Subsahara-Afrika erarbeitet. Sie basiert auf zwei zentralen Ansätzen: Zum einen soll die Stärkung partizipativer Prozesse zur sozialen Integration beitragen und die Einbindung vielfältiger Akteure in gesellschaftliche Entscheidungsprozesse verbessern. Zum anderen möchten wir durch unsere Aktivitäten zu einer differenzierten Wahrnehmung des afrikanischen Kontinents in Deutschland und Europa beitragen – und vice versa.

Afrika als Wissenschaftsstandort international etablieren
Als erstes Leuchtturmprojekt fand im März 2016 in der senegalesischen Hauptstadt Dakar das Next Einstein Forum (NEF) statt. Das Ziel dieser ersten gesamtafrikanischen interdisziplinären Wissenschaftskonferenz war es, den dynamisch wachsenden Wissenschaftsstandort Afrika international zu etablieren, seine Forscher zu vernetzen und so Impulse für die Entwicklung des afrikanischen Kontinents zu setzen. Auf Initiative der Robert Bosch Stiftung und des "African Institute for Mathematical Science" (AIMS) kamen mehr als 500 internationale Teilnehmer aus Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Politik zusammen. Als ein Bestandteil der Konferenz präsentierten 15 der besten afrikanischen Nachwuchsforscher ihre Ideen dem internationalen Publikum. Nicht nur sie verließen die Veranstaltung mit neuen Kontakten und gestärkter Motivation: Der nächste Einstein kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Afrika – diese These wurde auch international viel beachtet. Im Jahr 2018 findet das zweite Next Einstein Forum statt, dann in Ruanda.


 
Fördergebiete
Auch in ihren Fördergebieten hat die Robert Bosch Stiftung 2016 wichtige Meilensteine erreicht.
Gesundheit
Krebserkrankungen sind nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet mit einem Anstieg der jährlichen Neuerkrankungen auf rund 20 Millionen bis 2025. Um den Kampf gegen die Krankheit zu unterstützen, hat die Robert Bosch Stiftung im Jahr 2016 zusammen mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) und der Bosch-Gruppe ein besonderes Bündnis gegen den Krebs geschmiedet. Zentraler Baustein des Bündnisses ist das neue Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT) sowie die geplante Kooperation mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Das Centrum wird Teil des RBK und verstärkt dort den Bereich der Krebsforschung, um Patienten durch moderne Präzisionsonkologie eine individualisierte Therapie zu ermöglichen. Die Robert Bosch Stiftung unterstützt den Aufbau des RBCT bis 2020 mit insgesamt 24 Millionen Euro. Die Fördermittel sind für den Aufbau eines Studienzentrums und die Erweiterung des medizinischen Leitungsteams durch zusätzliche Experten vorgesehen. Darüber hinaus sind zwei Stiftungsprofessuren geplant, die Forschungsaktivitäten in diesen Bereichen unterstützen werden.

In Kooperation mit der Universität Bielefeld und dem AOK-Bundesverband hat die Robert Bosch Stiftung 2016 die Erarbeitung eines "Nationalen Aktionsplans Gesundheitskompetenz" in Angriff genommen. Schirmherr des Vorhabens ist Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Hintergrund ist unter anderem die Erkenntnis, dass viele Deutsche Probleme damit haben, Packungsbeilagen von Medikamenten zu verstehen oder Gesundheitsinformationen in den Medien richtig einzuschätzen. Damit ist ein höheres Krankheitsrisiko verbunden. Nach einer vertieften Problemanalyse wird eine Expertengruppe Handlungsziele identifizieren und Strategien entwickeln, mit denen die Gesundheitskompetenz der deutschen Bevölkerung verbessert werden kann. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sollen bis Ende 2017 vorliegen.

Wissenschaft
Unsere Gesellschaft wird maßgeblich von der Wissenschaft gestaltet. Gleichzeitig muss die Wissenschaft fest in der Gesellschaft verankert sein, damit sie ihre Wirkung entfalten kann. Möglichst viele Menschen müssen wissenschaftliche Ergebnisse verstehen und sich in Debatten über entsprechende Fragen einschalten können, zumal diese oft zentrale gesellschaftliche Themen betreffen. Um den Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu verdeutlichen, braucht es gute Wissenschaftsjournalisten. Die Robert Bosch Stiftung fördert seit vielen Jahren anspruchsvollen Journalismus zu Wissenschaftsthemen, unter anderem mit der "Masterclass Wissenschaftsjournalismus". Im Rahmen dieses Programms gaben das Reporter-Forum und die Robert Bosch Stiftung 2016/17 bereits zum zweiten Mal die Gelegenheit, zukunftsweisende Arbeitstechniken zu erproben. Nach einem zweitägigen Weiterbildungsforum im Mai konnten sich die 30 Teilnehmer auf Stipendien für die Umsetzung ihrer Projekte bewerben. Das Programm war ein Erfolg: Die geförderten Projekte bekamen zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen, u.a. den Grimme Online Award.

Dem Austausch über wissenschaftliche Fragen von gesellschaftlicher Relevanz dienen die Berliner Wissenschaftsgespräche. Auf Einladung der Robert Bosch Stiftung diskutierten Experten im vertraulichen Kreis. 2016 ging es unter dem Titel "Make Science, not War! The Role of Science Diplomacy in the 21st Century" um die politische Bedeutung der Wissenschaftsdiplomatie – ein hoch relevantes Thema angesichts der zunehmenden Konflikte in der Welt. Mit dabei war unter anderem die südafrikanische Wissenschafts- und Bildungsministerin Naledi Pandor. 

Gesellschaft
Die deutsche Gesellschaft schrumpft, wird älter, aber auch vielfältiger. Angesichts dieser Entwicklungen will die Robert Bosch Stiftung dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Das gilt – ganz unabhängig von der aktuellen Flüchtlingssituation – auch für Muslime. Die Zusammenarbeit von kommunalen Einrichtungen, kirchlichen Trägern und islamischen Organisationen stößt immer wieder auf Hindernisse. Wo und mit welchen Akteuren ist eine Zusammenarbeit möglich?

Welche gemeinsamen Ziele gibt es, welche Potenziale können gestärkt werden und wie können mögliche Barrieren oder Vorbehalte überwunden werden? Das Projekt "Muslime als Partner in Baden-Württemberg. Information, Beratung, Dialog" stellt in Gestalt eines fachkundigen Experten und Beraters für Kommunen und islamische Vereinigungen in Baden-Württemberg eine begleitende Expertise zur Verfügung, um zum Gelingen von Kommunikation und zur Stärkung von Kompetenzen auf lokaler Ebene beizutragen. 2016 wurden rund 50 Beratungen durchgeführt. Das Themenspektrum ist sehr vielfältig und reicht von Moscheebau und islamischer Bestattung über Jugendarbeit bis hin zu verschiedenen Fragen zum Umgang mit muslimischen Flüchtlingen.

Die Robert Bosch Stiftung ist überzeugt davon, dass das Erleben von Kultur und eigener künstlerischer Kreativität ein wichtiger Baustein für die persönliche Entwicklung ist. Das gilt schon für die Kleinsten. Das Programm "Kunst und Spiele" fördert Kultureinrichtungen, in denen sie kreativ Kunst erleben können. Institutionen aus den Bereichen Darstellende und Bildende Kunst, Musik, Medien und Film entwickeln in Partnerschaften mit Kindertageseinrichtungen und Grundschulen Formate, in denen der Anspruch "Kunst und Kultur von Anfang an" vielseitig und zielgruppengerecht mit Leben gefüllt wird.

Bildung
Im Juni 2016 feierte der Deutsche Schulpreis zehnjähriges Jubiläum. Die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung haben den Preis 2006 ins Leben gerufen, um zu zeigen, dass es in Deutschland Schulen gibt, die exzellente Arbeit leisten. Der Deutsche Schulpreis macht diese Schulen sichtbar und ermuntert andere zur Nachahmung. Er ist der bekannteste, anspruchsvollste und höchstdotierte Preis für Schulen im Land. In den vergangenen zehn Jahren hat er nachhaltige Impulse für die deutsche Bildungslandschaft gesetzt und zur Entstehung einer ganzen Bewegung guter Schulen geführt. Hauptpreisträgerin 2016 und Gewinnerin von 100.000 Euro Preisgeld war die Grundschule auf dem Süsteresch im niedersächsischen Schüttorf. Sie erhielt den Preis aus den Händen des damaligen Bundesaußenministers und heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Deutschen Schulpreises veröffentlichte die Robert Bosch Stiftung auch erstmals eine detaillierte Darstellung der sechs Qualitätsbereiche, die dem Preis zugrunde liegen.

Das neue Handbuch "Gute Schule – Sechs Qualitätsbereiche für zukunftsweisende Praxis" haben Wissenschaftler und Schulpraktiker gemeinsam erarbeitet. Die Preisträgerschulen dienen den Autorinnen und Autoren als Beispiele guter Praxis. Aus deren Erfahrung und dem aktuellen Stand der Forschung arbeiten sie heraus, wie gute Schule gelingen kann. Nach nur drei Monaten war das Buch bereits vergriffen und wurde in zweiter Auflage nachgedruckt.

Gemeinsam mit der Deutschen Telekom Stiftung, der Bertelsmann Stiftung sowie der Siemens Stiftung und gefördert durch die Stiftung Mercator haben wir im Jahr 2016 das Forum Bildung Digitalisierung gegründet. Die Partner sind der Überzeugung, dass digitale Medien dabei helfen können, pädagogische Herausforderungen wie z. B. den Umgang mit vielfältigen Lerngruppen besser zu bewältigen. So kann digitale Technik dazu beitragen, unser Bildungssystem besser zu machen und mehr Teilhabe und Chancengleichheit zu fördern. Das Forum bietet eine Plattform für Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, um die vielfältigen Diskussionen über Digitalisierung in der Bildung zusammenzuführen und zu einer pädagogisch sinnvollen Strategie für das deutsche Bildungssystem beizutragen. Die Stiftungen fokussieren sich dabei zunächst auf die schulische Bildung, andere Bildungsbereiche sollen später hinzukommen. Die Arbeit konzentriert sich auf die Themenschwerpunkte Personalisiertes Lernen mit digitalen Medien, Kompetenzen für die digitalisierte Welt sowie Veränderungsmanagement und Organisationsentwicklung auf dieses Ziel hin. In der ersten Phase führt die Initiative Dialogforen, Fachtagungen und Workshops durch. Darüber hinaus sucht die Initiative deutschlandweit gute Schulkonzepte für personalisiertes Lernen mit digitalen Medien. Ziel ist es, diese sichtbar zu machen und herauszufinden, welche Rahmenbedingungen und Strukturen nötig sind, um die Erfolge in die Breite zu tragen.

Völkerverständigung
Frieden
Die Anzahl zwischenstaatlicher und innerstaatlicher Konflikte hat in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Mit der Förderung einzelner Projekte in Südosteuropa engagierten wir uns Mitte der 90er Jahre erstmals unmittelbar in einer Konfliktregion. Zunächst ging es dabei meist um Verständigung und Versöhnung nach Konflikten. Mit der Entscheidung im Jahr 2014, sich verstärkt in Konflikt- und Postkonfliktgesellschaften zu engagieren, rückten die Themen Mediation, Wahrheit, Gerechtigkeit und Gedenken sowie Konfliktprävention in den Mittelpunkt der Förderung. Im Rahmen der Strategieentwicklung hat die Stiftung seither mehr als 110 beispielhafte Projekte in (Post-)Konfliktgesellschaften gefördert, ohne regionale Einschränkung.

Einen Beitrag zum Transfer von Erfahrungen zwischen Friedensakteuren aus aller Welt leistete etwa das "Berlin Seminar: Truth, Justice and Remembrance", eine jährliche Studienreise zum Thema Erinnerungskultur. Im November 2016 nahmen auf Einladung der Robert Bosch Stiftung Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen und Journalisten aus 18 Ländern an einem zweiwöchigen Seminarprogramm teil, das ihnen Einblicke in Herangehensweisen, Methoden und aktuelle Herausforderungen der Vergangenheitsaufarbeitung in Deutschland vermittelte. Die Teilnehmer besuchten Gedenkstätten und trafen Zeitzeugen, Experten, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft und nahmen zahlreiche Anregungen für den Umgang mit ähnlichen Themen in ihren Heimatländern mit.

Europa
Gerade zurzeit, wo der europäische Einigungsgedanke zunehmend in Frage gestellt wird, ist eine lebhafte und offene Debatte über die Zukunft Europas besonders wichtig. Die Robert Bosch Stiftung hat sich das Ziel gesetzt, Stimmen in diese Debatte einzubeziehen, die bisher kaum vertreten sind. Mit Bildungsprogrammen sprechen wir gezielt junge Menschen an, die sich bisher wenig mit Politik in der EU und den Nachbarstaaten auseinandersetzen. Wir unterstützen engagierte Bürger und zivilgesellschaftliche Organisationen dabei, grenzüberschreitend tätig zu werden und ein europäisches Bewusstsein jenseits der formalen Institutionen zu entwickeln. Und wir fördern den Austausch zwischen den Menschen in Europa, um Vorurteile abzubauen und gemeinsam europäische Werte auszuhandeln. Eine intensive Diskussion über Europa haben wir auf der Leipziger Buchmesse gestartet. Unter dem Titel "Europa21 – Denkraum für die Gesellschaft von morgen" setzen sich Schriftsteller, Wissenschaftler, Journalisten und Vertreter der Zivilgesellschaft aus verschiedenen Ländern mit der Zukunft des Kontinents auseinander. Zum Auftakt des auf drei Jahre angelegten Programmschwerpunkts diskutierten sie 2016 über Hintergründe der Fluchtbewegungen und die damit zusammenhängenden Herausforderungen. In verschiedenen Veranstaltungsformaten beleuchteten sie unterschiedliche Facetten von Zuwanderung und Integration sowie die Rolle von Literatur, Medien und Religion.

Unser Programm "START – Create Cultural Change" ist ein Stück gelebte Solidarität in Europa. Das Fortbildungs- und Stipendienprogramm wendet sich gezielt an junge Kulturmanager in Griechenland und unterstützt sie dabei, Initiativen in ihrem lokalen Umfeld zu entwickeln. Ziel von START ist es, durch die Förderung von Austausch und Innovation im Bereich der Soziokultur neue Perspektiven für Berufseinsteiger zu schaffen und so den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Nach dem Start im Herbst 2015 konnte das Programm 2016 zwölf Projekte auszeichnen und zudem neue Förderer gewinnen.

Ziel der "Schulbrücke Europa" ist es, das Bewusstsein von Schülern für ihre nationale und europäische Identität zu erweitern und sie zu motivieren, sich für den europäischen Gedanken
zu engagieren. Aus einem frühzeitig entwickelten Europa-Bewusstsein soll langfristig politische Beteiligung wachsen. 2016 nahmen 230 Schülerinnen und Schüler aus zwölf Ländern teil. In vier gemeinsamen Projektwochen an verschiedenen Orten in Deutschland erarbeiteten sie zunächst eine kurze Geschichte ihres jeweiligen Heimatlandes und präsentierten diese den anderen Gruppen. Anhand der Leitfrage "Wie wird die Europäische Union im Jahr 2030 sein?" diskutierten sie anschließend über ihre Vision für Europa. Gespräche mit Politikern, Journalisten und Gremienmitgliedern der Deutschen Nationalstiftung und anderen europäischen Persönlichkeiten rundeten das Programm ab.

Transatlantische Beziehungen
Der Wahlkampf in den USA und der Sieg von Donald Trump haben im Jahr 2016 die amerikanische Gesellschaft weiter gespalten, verändern die transatlantischen Beziehungen und stellen sie vor neue Herausforderungen. Diese Entwicklung war für uns Anlass, die Arbeit an diesen Beziehungen, die wir seit mehr als 30 Jahren fördern, weiter auszubauen.

Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Partnerschaft mit der Brookings Institution, einem der ältesten und renommiertesten Think Tanks in Washington. Dr. Constanze Stelzenmüller, die seit dem Jahr 2014 als Robert Bosch Senior Fellow at Brookings arbeitet, war im Wahljahr eine überaus gefragte Expertin. In zahlreichen Medienbeiträgen und Veranstaltungen hat sie auf beiden Seiten des Atlantiks die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen analysiert und geholfen, die jeweils andere Seite besser zu verstehen. Die Kooperation mit der Brookings Institution wird weiter ausgebaut mit dem Ziel, eine neue Initiative zur Stärkung der transatlantischen Beziehungen auf den Weg zu bringen.

Als "honest broker", ehrlicher Vermittler, über den Atlantik verstand sich die Robert Bosch Stiftung auch bei der Ausrichtung einer viertägigen Konferenz für 24 deutsche, amerikanische und russische Abgeordnete, die wir im Mai 2016 gemeinsam mit dem Aspen Institute Deutschland e. V. organisiert haben. Inhaltlich ging es bei der Konferenz um Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Ziel war es, den Parlamentariern gerade in Zeiten angespannter Beziehungen einen Rahmen für einen vertrauensvollen und überparteilichen Austausch zu bieten und den politischen Dialog zwischen den drei Ländern wiederzubeleben. Das Projekt soll in den kommenden Jahren fortgesetzt werden – in enger Verbindung mit der "Transatlantic Strategy Group" des Center for Transatlantic Relations (CTR) und dem Robert Bosch-Zentrum für Mittel- und Osteuropa, Russland und Zentralasien an der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).

Asien
Die grenzübergreifende Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den Bürgergesellschaften ist ein wichtiges Anliegen der Robert Bosch Stiftung. Deshalb tragen wir mit unseren Projekten dazu bei, dass im transnationalen Dialog neue Ideen und Impulse entstehen. Mit dem Programm "ChangemakerXchange" bringen wir schon seit 2012 junge Menschen aus der Türkei, Europa, dem Mittleren Osten und Nordafrika zusammen, um gemeinsam an innovativen Lösungen für soziale, ökologische oder gesellschaftliche Probleme zu arbeiten. Im Jahr 2016  haben wir das Programm zusätzlich durch ein Gipfeltreffen in Japan auf Ost- und Südostasien ausgeweitet. Die ausgewählten "Changemaker" erhalten die Möglichkeit, ihre Kenntnisse über soziales Unternehmertum zu vertiefen und ihre eigenen Initiativen zu entwickeln. Besonders innovative, grenzüberschreitende Projektideen werden von der Robert Bosch Stiftung finanziell unterstützt. Der multilaterale Ansatz hat sich bewährt und soll 2017 fortgesetzt werden.

Bereits zum siebten Mal trafen sich Chefredakteure und andere hochrangige Medienvertreter im Jahr 2016 zum "Medienforum China – Deutschland". Bei der Reise in die alte chinesische Kaiserstadt Xi’an ging es um Themen wie die Potenziale der neuen chinesischen Seidenstraßen-Initiative und die Herausforderungen des demografischen Wandels in China und Deutschland. Die chinesischen und die deutschen Teilnehmer konnten ihr über die Jahre entwickeltes Vertrauen weiter ausbauen, so dass über sensible Fragen offen und konstruktiv diskutiert werden konnte. Im Mai 2017 fand erstmals das neue trilaterale Medienforum statt, an dem auch hochrangige amerikanische Medienvertreter teilnahmen.


 

Bildergalerie zum Bericht 2016

Sehen Sie sich die schönsten Eindrücke von unseren Projekten und Veranstaltungen des Jahres 2016 an. Die Bilder zeigen Höhepunkte wie die Verleihung des Deutschen Schulpreises, das erste Next Einstein Forum in Dakar und das gemeinsame Forum mit dem damaligen Bundespräsident Joachim Gauck zum Thema "Flüchtlinge in Deutschland: Integration ermöglichen – Zusammenhalt stärken".

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Bilder des Jahres

Stiftung in Zahlen

Der nach handelsrechtlichen Bilanzierungsvorschriften erstellte Jahresabschluss zum 31.12.2016 wurde von der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Stuttgart, geprüft und mit dem uneingeschränkten Prüfungsvermerk versehen. Danach vermittelt der Jahresabschluss unter Beachtung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Robert Bosch Stiftung.

Die Beteiligung der Robert Bosch Stiftung GmbH am Stammkapital der Robert Bosch GmbH in Höhe von 5.055 Millionen Euro entsprach im Berichtsjahr unverändert 92 Prozent. Aus dieser Beteiligung floss der Stiftung eine Dividende von 126,8 Millionen Euro zu. Insgesamt standen 163,6 Millionen Euro zur Verfügung, wovon 19,1 Millionen Euro aus Auflösungen von Rückstellungen für Investitionszuschüsse an eine Tochtergesellschaft stammen, die zum Zwecke einer einheitlichen Darstellung in gleicher Höhe den Rücklagen zugeführt wurden.

Im Berichtsjahr 2016 hatten die unselbständigen Stiftungen in Höhe von 3,4 Millionen Euro Zuflüsse durch Zinserträge und übrige Erträge.

Die Bewilligungen des Kuratoriums und der Geschäftsführung der Stiftung für Fremd- und Eigenprojekte beliefen sich auf 74,9 Millionen Euro. Hierin sind auch die für die Forschung am Robert-Bosch-Krankenhaus, dem Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie, dem Institut für Geschichte der Medizin und dem Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen bereitgestellten Mittel in Höhe von 14,1 Millionen Euro enthalten.

Für Sondermaßnahmen und Investitionen am Robert-Bosch-Krankenhaus, die durch die Pauschalförderung des Landes nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz nicht gedeckt sind, wurden inklusive des oben erwähnten Sondereffektes von 19,1 Millionen Euro insgesamt 46,2 Millionen Euro bereitgestellt. Das Robert Bosch College UWC wurde mit 1,2 Millionen Euro, die Deutsche Schulakademie mit 3,1 Millionen Euro unterstützt. Die unselbständige Otto und Edith Mühlschlegel Stiftung erhielt 1,2 Millionen Euro. Die unselbständigen Stiftungen förderten Projekte in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

20,8 Millionen Euro wurden im Berichtsjahr für Mitarbeiter, Verwaltung und Kommunikation aufgewendet.