Aktuelle Themen 2017

Wie gelingt Integration?

Seit 2015 hat kaum ein anderes Thema Deutschland so sehr bewegt wie die Aufnahme und gesellschaftliche Teilhabe von Flüchtlingen. Allzu häufig fehlt in öffentlichen Debatten jedoch die Sicht der Flüchtlinge selbst. Die Studie "Wie gelingt Integration?" stellt genau diese Perspektive ins Zentrum und leitet daraus politische Handlungsempfehlungen ab.
Robert Bosch Stiftung | November 2017
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Die Studie „Wie gelingt Integration?" des SVR-Forschungsbereichs und der Robert Bosch Stiftung stellt die Perspektive der Flüchtlinge ins Zentrum: Wie sehen die Lebenslagen von Asylsuchenden aus, was erwarten sie vom Leben in Deutschland? Für die Studie wurden 62 Asylsuchende aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Pakistan, Albanien, dem Kosovo und Mazedonien in qualitativen Interviews befragt. Die Asylsuchenden lebten zum Zeitpunkt der Interviews in Bayern, Niedersachsen und Sachsen. Sie waren erst kurze Zeit in Deutschland und hatten noch keinen sicheren Aufenthaltsstatus. Aus den Ergebnissen der Studie können politische Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, die die Voraussetzungen für eine gelungene Integration in Deutschland stärken.
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Ausgewählte Ergebnisse

Zu den Ergebnissen der Studie gehört, dass Flüchtlinge auch jenseits großer Metropolen heimisch werden können. Wenn die Bedingungen vor Ort stimmen, würden viele gerne in kleineren Kommunen bleiben. Viele Flüchtlinge finden es zudem wichtig, sich zu qualifizieren. Gleichzeitig wollen fast alle möglichst schnell in Arbeit kommen. Daraus kann ein Spannungsverhältnis entstehen, für dessen Auflösung es flexibler Angebotsstrukturen bedarf. Und: Flüchtlinge sind dankbar für die praktische Hilfe von Ehrenamtlichen. Sie wünschen sich persönliche Begegnungen und zwischenmenschliche Kontakte. "Neben möglichst passgenauen Maßnahmen für den Zugang zu Ausbildung, Arbeit und Sprachkenntnissen ist die soziale Teilhabe ein Kernbedürfnis der Asylsuchenden. Sie sollte stärker als bisher im Fokus von Integrationskonzepten stehen", sagt Dr. Jan Schneider, Leiter des SVR-Forschungsbereichs.

Den Politikern empfehlen die Forscher, die Rahmenbedingungen den Erfordernissen anzupassen: "Deutschland sollte den Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte wie geplant wieder einführen und die Aufenthaltssituation der Flüchtlinge schneller klären", so Schneider. "Zudem sollten für Asylsuchende gleiche Aufnahme- und Verfahrensstandards gelten, vor allem für diejenigen mit guter und mittlerer Bleibeperspektive, und die Asylverfahren sollten weiter beschleunigt werden. Wissen über den Ablauf und Stand des Asylverfahrens sowie über Teilhabeoptionen macht Flüchtlinge handlungsfähig, diese Fähigkeit gilt es zu erhalten und zu fördern."

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Die Studie: "Wie gelingt Integration? Asylsuchende über ihre Lebenslagen und Teilhabeperspektiven in Deutschland"